Col di Lana – der Blutberg

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Gesprengter Gipfel – der Minenkrieg in den Dolomiten

Stellungskrieg auch in den Dolomiten

Wie der Erste Weltkrieg im August 1914 beginnt, ist keines der teilnehmenden Heere auf einen langen Krieg vorbereitet; an der Westfront geht man bereits im September 1914 zum Stellungskrieg über. Während die Kämpfe an der Westfront allgemein bekannt sind und sich vor allem die Schlacht von Verdun ins öffentliche Gedächtnis eingegraben hat, geht oft vergessen, dass auch in den Dolomiten gekämpft worden ist. Auf der Hochebene der Sieben Gemeinden liegt ein Dutzend österreichischer Festungen einem Dutzend italienischer Festungen gegenüber. Drei Jahre lang wird so auch an der sog. Südfront intensiv gekämpft, und von den über zwanzig Festungen ist jede mehrmals beschossen worden.

Minenstollen bis unter die Gipfel

In diesem gebirgigen Gebiet haben sich aber auch immer wieder Truppen auf Berggipfeln festgekrallt und eingebunkert. Von diesen Gipfeln sind sie nur ausserordentlich schwer zu vertreiben, und so geht man im Jahre 1916 zum Bau von Minenstollen über. Im harten Fels wird unter schwierigsten Bedingungen ein Stollen bis unter den gegnerischen Gipfel gebohrt; das Stollenende wird mit Dynamit gefüllt und so der feindliche Gipfel in die Luft gejagt. Aufgrund der Feldakten im Wiener Kriegsarchiv lassen sich 34 Minensprengungen an der Front zwischen Rovereto und  Sexten nachweisen, von denen die wohl bekannteste die vom Col di Lana ist.

 

 Col di Lana – der Blutberg

 Der Col di Lana (2462 m) ist von den Österreichern besetzt und uneinnehmbar. Da befiehlt Leutnant Caetani, einen Stollen bis unter den Gipfel voranzutreiben. Wegen der Geheimhaltung werden keine Bohrmaschinen, sondern nur Bohrstangen und Schlägel eingesetzt. Im Januar 1916 entdeckt ein österreichischer Beobachter vom Pordoijoch aus die riesigen Schuttmassen, die nicht allein von Kavernenbauten stammen können. Jetzt geben die Italiener alle Tarnung auf und treiben den Stollenbau energisch voran. Wie der Bohrlärm Mitte April aufhört, wissen die österreichischen Soldaten genau, dass die Minenkammer jetzt mit Sprengstoff geladen wird. Gelähmt von der Angst, in einer der nächsten Nächte in die Luft zu fliegen, ersuchen sie darum, den Gipfel verlassen zu dürfen; sie versprechen, ihn nachher mit grösstem Einsatz wieder einzunehmen. Oberleutnant von Tschurtschenthaler lehnt ab; sowohl die Österreicher als auch die Italiener haben sich am Col di Lana, einem Berg ohne grosse strategische Bedeutung, festgebissen.

 Die Nacht auf dem Pulverfass

Unvorstellbar für uns Heutige die Angst der Soldaten, die ihre letzte Nacht buchstäblich auf einem Pulverfass verbringen. Am späten Abend des 17. April 1916 zünden die Italiener die 5000 kg Sprengstoff; die ungeheure Explosion reisst zweihundert österreichische Soldaten und Offiziere in den Tod. Wo vorher der Gipfel war, finden die vorstürmenden Alpini einen riesigen Krater vor. Die überlebenden Österreicher aber haben auf den nächsten Gipfel, den Monte Sief, zurückgezogen, von wo aus sie die Kämpfe fortsetzten. bis es im November 1918 zum Waffenstillstand kommt. Während beim Col di Lana nur noch der Krater übriggeblieben ist, ist am Lagazuoi, wo die Sprengung im Juni 1917 erfolgte, der Minenstollen in seiner ganzen Länge so wiederhergestellt worden, dass er über Treppen und mit Hilfe von Seilen gefahrlos begangen werden kann.

Stollentour GH Schweiz

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