Fenestrelle

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(oder: Ein Stück chinesische Mauer im Piemont)

Die Festungsanlagen von Fenestrelle sind von den Piemontesen gebaut worden. 1713, im Vertrag von Utrecht, kommt nämlich das Val Chisone zu Piemont. Um französischen Gegenangriffen vorzubeugen, errichten die Piemontesen im 18. Jahrhundert eine ganze Reihe von wichtigen Festungen, so die Festung Bard im Aostatal und das Fort d’Exilles im Val Susa. Die grösste und beeindruckendste Festung aus dieser Zeit ist jedoch die von Fenestrelle; sie wirkt auf uns, als hätte man ein Stück der Chinesischen Mauer in die Alpen verlegt. Carlo Emanuele III. von Sardinien-Piemont nennt Exilles und Fenestrelle voller Stolz „le sentinelle del mio regno“ (die Wachtposten meines Königreichs).

1715 beginnen die Piemontesen mit dem Bau von Tre Denti und Garitta del Diavolo. 1727 übernimmt Ignazio Bertola die Leitung des Projekts. Mit bis zu 4000 Arbeitern wird jahrzehntelang an Fenestrelle gearbeitet. 1789 sind die Arbeiten weitgehend abgeschlossen. Aber noch Jahrzehnte später gilt es immer wieder zu erweitern und auszubessern; die Ridotta Carlo Alberto im Tal N von Fenestrelle wird erst 1836/37 gebaut.

1798 muss Savoyen, ohne dass ein Schuss fällt, Fenestrelle an Frankreich übergeben. Napoleon befiehlt die Zerstörung der savoyardischen Festungen wie Exilles, Bard u.a. Einzig Fenestrelle wird nicht zerstört, weil es die Franzosen auch vor seinen Erbauern schützen kann, v.a. aber weil es wegen seiner zahlreichen Depots und Magazine als Basisversorgungsplatz benützt wird. Ausserdem brauchen die Franzosen das Fort als Gefängnis.

1815 kommt Fenestrelle wieder zu Italien. Das Fort kann bis zu 3000 Soldaten aufnehmen, es dient auch jetzt als Gefängnis. Nach dem Beitritt Italiens zum Dreibund (Deutschland, Österreich-Ungarn, Italien) finden Ausbauten statt. Der Höhenzug zwischen Val Chisone und Val Susa wird  zwischen 1882 und 1892 intensiv befestigt:

  • Fort Serre Marie 1876 m
  • Fortino del Colle delle Finestre 2176 m
  • Batteria des Gran Serin 2615 m
  • Batteria del Monte Costa 2547 m
  • Batteria del Mottas 2620 m

Im Ersten Weltkrieg wird Fenestrelle nach dem Bündniswechsel der Italiener desarmiert; die Kanonen werden an die Isonzo-Front gebracht, und Fenestrelle verliert jede Bedeutung. „Opere antiquate“ heisst es in Rom. 1946 wird Fenestrelle endgültig aufgegeben, aufgegeben „alle devastazione di saccheggiatori e vandali.“

Heute offerieren die Betreiber Besichtigungen, die zwischen zwei und acht Stunden dauern.

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